Lost Magazine

Das Reisemagazin, das sich dem Reiseglamour verweigert.

„Lost“ ist schon im vierten Jahr – für eine Indie-Publikation, die alle Klischees ihres Fachs vermeidet, ist das beachtlich. Lost ist ein Reisemagazin. Sollte finanzierbar sein, könnte man meinen. Sähe nicht Herausgeber und Art Director Nelson Ng Reisen vor allem als Möglichkeit, sich in irgendwelchen Ecken der Welt möglichst fremd und unwohl zu fühlen, um so aus dieser Situation zu lernen. – Damit ist kein Platz für Bar- oder Hoteltipps, es geht auch nicht um Schönheiten und Sehenswürdigkeiten, also eigentlich um nichts, was man gemeinhin mit Reisen verbindet.

Dementsprechend spröde sind auch manche Geschichten: Businessaufenthalte in Tokio, Unterhaltungen mit afrikanischen Migranten auf dem Jakobsweg in Spanien, Hühnerschlachten im winterlichen Kaschmir sind Themen, die einiges an schreiberischer Kunst erfordern. Für meinen Geschmack ist die auch nicht immer da. Der Persönlichkeitsfaktor macht Geschichten nicht immer spannender, wenn er nur persönlich ist – und sonst nichts.

Die Story über den „Beijing Tea House Scam“ (Touristen werden von freundlichen Chinesen rund um die Verbotene Stadt zum Teetrinken eingeladen – und böse abgezockt) ist dagegen schon reines Entertainment.

Fotos und Layout machen allerdings einiges wett – mit rauem Papier und Fadenheftung mit offenem Rücken fühlt sich „Lost“ eher wie ein Kunstband an.

 

Nelson Ng produziert „Lost“ in Singapur auf Englisch und Chinesisch. Seinen Job in der Werbung hat er mittlerweile aufgegeben, „Lost“ trägt sich allerdings noch lange nicht selbst. Das Magazin ist werbefrei, rund um die Marke „Lost“ produziert Ng aber Branded Content und veranstaltet Branded Events.

Die Onlineausgabe ist neu und soll dem Magazin keine Konkurrenz machen (bei 30 Euro Verkaufspreis zählt jedes Exemplar …). Nachdem „Lost“ aber nur einmal jährlich erscheint, war mit der Zeit etwas mehr Präsenz und Frequenz notwendig, um in der Erinnerung der LeserInnen zu blieben. lostmagazine.org probiert es jetzt mit sparsamen eigenständigen Inhalten; wo die Onlinereise hingehen soll, hält sich Ng noch offen.

 

Lost

 

 

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