Delayed Gratification Magazine – mehr Enttäuschung als Belohnung


Es klang vielversprechend: Slow Journalism als Bewegung jenseits der Mainstream-Nachrichten, Delayed Gratification als vierteljährlich erscheinendes Magazin, das man sich gern auch ins Bücherregal stellen würde – so die Ankündigung.
„Slow Journalism measures news in months not minutes, returning to stories after the dust has settled. The Slow Journalism Company offers an antidote to throwaway media and makes a virtue of being the last to breaking news. Its publications are beautiful, collectible and designed to be treasured.“, versprachen die Herausgeber.
Dazu noch ein Cover von Shepard Fairey, auch sonst ansprechendes Design – insgesamt Grund genug, die erste Ausgabe zu bestellen (Dank Micropayment mit Paypal klein Problem mehr, mit 14,50 Pfund zwar teuer, aber hoffentlich ein gutes Werk am Journalismus).

Wer sich aber, wie ich gut und gründlich gemachte Stories, tiefschürfende Interviews und neue Blickwinkel auf die Welt erwartet hat, ist ziemlich enttäuscht. Delayed steht hier wirklich für hinten nach; das Magazin ist eine Nachlese zu Ereignissen der letzten drei Monate ohne die Themen mit einem Mehrwert zu versehen, der sie auch im nachhinein noch lesenswert machen würde.
Es gibt durchaus ein paar spannende Fragestellungen (Was gibt es im Jemen ausser Terrorismus? Wird Qatar der nächste Fussballweltmeister?), die in ihrer Umsetzung aber vollkommen verschenkt sind.

Schade um den gut gemachten Launch-Hype, aber so werden mich nichteinmal limitierte signierte Kunstdrucke des Covers zu einem Abo bewegen.

Lesenswerter fand ich das Swindle Magazine, eine von Shepard Fairey selbst herausgegebene Publikation, die ähnliche Ansprüche stellte – und mit Reportagen, Interviews und Fotos weitaus besser erfüllte. Leider wurede das Heft 2009 nach immerhin fünf Jahren eingestellt; Backissues können auf der Webseite noch bestellt werden und werden auch prompt verschickt; mittlerweile gibt es alle Inhalte auch online.

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